Archipel – Inger-Maria Mahlke

AutorInger-Maria Mahlke
Verlag Rowohlt Buchverlag
Erscheinungsdatum 21. August 2018
AusgabeGebundene Ausgabe
Seiten432
SpracheDeutsch
ISBN-13978-3498042240

„Seitdem hat sich der Füllstand der Straßen zu einem verlässlichen Barometer für die Zerbrechlichkeit oder Stabilität der Verhältnisse auf der Insel entwickelt.“ (Zitat Seite 387)

Inhalt

Rosa Bernadotte Baute bricht ihr Kunststudium ab und kehrt in ihre Heimat zurück, auf die Insel Teneriffa. Dort gehören die Bernadottes zur einflussreichen Oberschicht. Rosas Mutter ist Politikerin, Rosas Großvater mütterlicherseits, Julio Baute, lebt im Asilo La Laguna, wo er mit 96 Jahren noch Pförtnerdienste innehat. Er hat die politische Geschichte Teneriffas in den beinahe einhundert Jahren seines Lebens miterlebt, aktiv gegen die Faschisten im Bürgerkrieg, dann ihr Gefangener. Rosas Vater Felipe Bernadotte ist Historiker. Er hatte ein Forschungsprojekt gestartet, das auch die Aufarbeitung  die Rolle seiner Familie unter Diktator Francisco Franco beinhaltet hätte, doch eine Kollegin wurde mit der Leitung beauftragt, worauf er sich vor elf Jahren ins Privatleben zurückgezogen hatte.

Thema und Genre

Dieser Roman ist eine Mischung aus Generationen- und Familienroman und arbeitet gleichzeitig die Geschichte Teneriffas im 20. Jahrhundert auf. Daher sind neben Themen wie Familie, gesellschaftliche Strukturen und Grenzen, auch die Politik und der Widerstand ein Schwerpunkt. Die Geschichte spielt auf Teneriffa.

Charaktere

Drei Familien stehen im Mittelpunkt dieses Romans: die adeligen, privilegierten Bernadottes, die Frauen Morales Ruiz, arme Unterschicht, Haushaltshilfen bei den Bernadottes, und die gutbürgerliche Familie Baute. Diese unterschiedlichen Familien sind durch die Ereignisse dieser einhundert Jahre, durch ihr Umfeld oder auch durch die Liebe miteinander verbunden. Julio Baute, geboren 1919, ist der stille Hauptprotagonist dieses Romans, denn er allein hat dies alles er- und überlebt, es ist auch seine Geschichte, die hier erzählt wird.

Handlung und Schreibstil

In dieser Geschichte bilden kurze Rückblenden nur einen erklärenden Hintergrund. Erzählt wird die Handlung in einem einzigen Strang, dieser ist eingeteilt in Kapitel mit Zeitangabe. Eher ungewöhnlich ist es, dass die Geschichte von der Gegenwart in die Vergangenheit erzählt wird. Sie beginnt im Jahr 2015 und endet schließlich im Jahr 1919. Dennoch hält der Spannungsbogen den Leser gefangen, denn statt wie üblich zu erfahren „was passiert“, ist hier die interessante Frage „wie ist es dazu gekommen“.

Die Sprache erfasst viele Details, ergänzt durch Schilderungen und Beschreibungen, auch die Charaktere sind sehr stimmig entwickelt. Ein Glossar am Buchende erklärt spanische Bezeichnungen, beschränkt sich leider auf die gängigen Wörter und Wortverbindungen, die man ohnedies kennt, auch wenn man die Sprache nicht spricht.

Fazit

Ein zeitgeschichtlicher Generationen- und Familienroman, erzählt am Beispiel von drei Familien. Es geht vor allem um das Leben der einzelnen Menschen, beeinflusst durch die Ereignisse, die sich durch die politische Situation ergaben. Einhundert Jahre, interessant und spannend erzählt „im Rückwärtsgang“, von 2015 bis 1919.

Invisible – Ursula Poznanski und Arno Strobel

AutorUrsula Poznanski /
Arno Strobel
Verlag Rowohlt Taschenbuch
Erscheinungsdatum 26. März 2019
FormatTaschenbuch
Seiten368
SpracheDeutsch
ISBN-13978-3499291579

„Jeder könnte das nächste Opfer sein und jeder der nächste Täter.“ (Zitat Seite 69)

Inhalt

Ein angesehener, sehr bekannter Gefäßchirurg betritt einen OP-Raum in einem Hamburger Krankenhaus und rammt dem Patienten ein Skalpell ins Herz. Dann lässt er sich ohne Widerstand festnehmen. Dies ist nur der Auftakt zu einer Serie von weiteren brutalen Morden. Alle Täter sagen aus, dass sie das Opfer nicht kannten, von diesem aber per Email beschimpft, verfolgt und in ihrer Existenz bedroht worden seien und dies habe sie schließlich unendlich wütend gemacht. Die Ermittler Salomon und Buchholz stehen unter Zeitdruck und suchen unermüdlich nach irgendeiner Verbindung zwischen den Tätern, den Opfern und brauchen dringend Resultate, um weitere Morde verhindern zu können.

Thema und Genre

In diesem Thriller geht es um die Frage, wie weit man Menschen manipulieren kann und um sehr aktuelle, reale Möglichkeiten. Ein Thema, das nachdenklich stimmt.

Charaktere

Die beiden Ermittler Nina Salomon und Daniel Buchholz sind in diesem neuen Fall auch stark mit ihrem Privatleben und persönlichen Problemen beschäftigt. Dies beeinflusst das gute Einvernehmen im Team und auch ihre Tätigkeit als Ermittler.

Handlung und Schreibstil

Die Geschichte spielt in Hamburg und wird abwechselnd von Salomon und Buchholz geschildert, wodurch manche Szenen aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet werden. Beide Sichtweisen ergänzen einander, sodass sich für den Leser ein klarer Ablauf der Ereignisse ergibt. Leider überwiegen in der ersten Hälfte des Buches die Schilderungen der persönlichen Befindlichkeiten der Ermittler, es wird mit zahlreichen Hints gearbeitet, obwohl man als Leser ohnedies bald die Zusammenhänge vermutet. Dies nimmt der Handlung die Spannung. Erst etwa im letzten Drittel des Buches wird es richtig packend und man liest auch gerne weiter.

Fazit

Ich hatte mich nach dem großartigen ersten Fall dieser Reihe um die Ermittler Salomon-Buchholz sehr auf diesen zweiten Band gefreut. Doch leider kommt dieser nicht an „Anonym“ heran. Die langatmigen Schilderungen der privaten Probleme der Ermittler, insbesondere von Daniel Buchholz, führen dazu, dass sich die Spannung nur langsam aufbaut. Ein sehr gut durchdachter, realistischer Thriller zu einem aktuellen Thema, aber mit einigen Schwächen.

Anonym – Ursula Poznanski, Arno Strobel

AutorUrsula Poznanski
Arno Strobel
Verlag Rowohlt e-book
Erscheinungsdatum 21. September 2016
FormatKindle
Seiten379
SpracheDeutsch
ISBN-13978-3-644-22081-2

„Sie sammeln sich, die Schäfchen, rund um das Bild, das er ihnen zum Bestaunen gegeben hat.“ (Zitat Seite 63)

Inhalt

Ein grausam ermordeter Toter wird gefunden. Die Polizei erhält diesen Hinweis von vielen Personen gleichzeitig, denn der Mann stand auf der Todesliste der neuen Internet Platform „Morituri“, wo die User Personen vorschlagen können, denen sie den Tod wünschen. Daniel Buchholz vom LKA Hamburg und seine neue Kollegin Nina Salomon müssen nicht nur miteinander als Team klarkommen, sondern auch mit der Tatsache, dass keiner ihrer Experten diese Seite vom Netz nehmen kann. Die Userzahl wächst minütlich und ein Wettlauf um die Rettung des nächsten Opfers beginnt, denn es werden zwar Beruf und Grund genannt, aber nicht die Namen. Wer könnte Trajan sein, der Admin dieser Seite?

Thema und Genre

Dieser spannende Thriller deckt auf, wie sich der Charakter der Menschen ändert, wenn man sich in der Anonymität der virtuellen Welt geschützt fühlt. Tod im Netz? Spannend wie ein Computerspiel. Ein sehr aktuelles Thema, beeindruckend real mit einer beklemmenden Story verbunden. Ähnliches könnte wirklich geschehen.

Charaktere

Die beiden Autoren gehen auch auf das Privatleben ihrer beiden Ermittler ein, zwei völlig unterschiedliche Persönlichkeiten. Eines haben sie jedoch gemeinsam, sie geben nicht auf.

Handlung und Schreibstil

Die Geschichte beginnt spannend und lässt dem Leser kaum Zeit, durchzuatmen. Mit der Handlung steigt auch die Spannung weiter an, man fühlt als Leser den Druck auf die Beteiligten, nicht agieren, sondern nur reagieren zu können – gegen die Macht des Täters, der die anonymen Massen lenkt. Sehr interessant ist der Aufbau dieses Thrillers, es kommen abwechselnd Daniel und Nina in der Ich-Form zu Wort, oft zur selben Situation. Kapitel mit römischen Zahlen und der Prolog zeigen die Gedanken und Handlungen des Mörders, in der dritten Person, „er“ geschrieben.

Fazit

Ein sehr spannender Pageturner, packend, mit überraschenden Wendungen bis zum Schluss.

Zwischen dir und mir das Meer (Farben des Sommers 2) – Katharina Herzog

AutorKatharina Herzog
Verlag Rowohlt E-Book
Erscheinungsdatum 24. April 2018
FormatKindle
Seiten341
SpracheDeutsch
ASINB077JK58QQ

„Zitronen reifen und blühen gleichzeitig. Ihr Duft hört nie auf.“ (Originalzitat)

Inhalt

Lena Sanders arbeitet im Hospiz auf Amrun. Als Lena noch ein Kind war, ist ihre Mutter eines Tages nicht mehr vom Schwimmen im Meer zurückgekommen und diese Erfahrung prägt ihr Leben. Als sie durch Zufall Jugendfotos ihrer Mutter erhält, beschließt sie, in der italienischen Heimat ihrer Mutter nachzuforschen. Ihre fünf Jahre jüngere, weitgereiste Schwester Zoe erkennt den Ort an der Amalfiküste, wo eines der Fotos aufgenommen wurden. Gemeinsam reisen Lena und Zoe nach Italien auf der Suche nach ihren Wurzeln.

Thema und Genre

Dieses Buch ist ein typischer Frauen-Wohlfühlroman. Das Setting an der Amalfiküste verspricht Urlaubsfeeling, auch der gut aussehende Italiener fehlt nicht. Es geht auch um das Leben der armen Zitronenbauern in den 70er Jahren in Süditalien und um Verlust.

Charaktere

Lena ist einerseits eine Krankenschwester mit der emotionalen Stärke, in einem Hospiz zu arbeiten, andererseits überängstlich, was für mich nicht stimmig ist. Ihre Schwester Zoe ist eine sympathische junge Draufgängerin. Matteo Forloni ist der typische gut aussehende italienische Frauenheld.

Handlung und Schreibstil

Die Geschichte entwickelt sich in zwei Erzählsträngen, Lena im Heute und ihre Mutter Mariella Mitte der 70er Jahre. Beide Geschichten werden abwechselnd erzählt, klar gegliedert durch die Überschriften der Kapitel. Die einfache Sprache liest sich schnell. Die Beschreibungen beschränken sich auf Aussehen und Kleidung der Personen, die wenigen Schilderungen der traumhaft schönen Amalfiküste findet man auch in jedem Reiseführer.

Fazit

Ein Unterhaltungs-Frauenroman für Leserinnen, die dieses Genre schätzen, Romantic Fiction für einen Nachmittag im Strandkorb. Die Handlung und Charaktere sind selbst für Trivia sehr vorhersehbar und bleiben im gängigen Klischee. Ich hatte mir doch etwas mehr erwartet.z